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Thiergarten Wilhelmsthal

Der Thiergarten bei Schloß Wilhelmsthal

Thiergarten-01Wegen seiner Artenvielfalt und des Reichtums an Frühjahrsblühern gilt der Tiergarten als einer der prächtigsten Buchenwälder in der Kasseler Umgebung. Unsere Wanderung beginnt am Ende der von Schloss Wilhelmsthal nach Westen führenden Allee, dem so genannten Lindenrondell. Ebenso wie der Name des Waldes weist auch diese Verbindung zu dem kleinen Rokoko-Schloß auf die historischen Besitz- und Nutzungsverhält¬nisse hin. Im 18. Jahrhundert diente der Wald als Hochwildgatter für die Parforcejagden der hessischen Landgrafen und war damit vor Rodung geschützt. Solche “Alten Wälder” gelten als besonders artenreich. Bei unserer Wanderung stossen wir neben den Hinweisen auf die historische, „lebende“ Umzäunung des Waldes von Beginn an auf eine Vielzahl früh blühender Pflanzenarten wie z.B. Buschwindröschen, Gelbes Windröschen oder Frühlingsplatterbse.

Thiergarten-02Sie bringen ihren Entwicklungszyklus vor der Laubentfal¬tung der Bäume zum Abschluss und entgehen damit der starken Beschattung durch die Buche. Solche Frühblüher verfügen über unterirdische Sprosse (Rhizome), Knollen oder Zwiebeln, in denen Reservestoffe gespeichert sind. Auf diese Weise können sie im Frühjahr sehr schnell austreiben und die kurze Zeit bis zum Blattaustrieb der Buche voll ausnutzen.

An Stellen, wo der Sturm Bäume umgestürzt hat, ist das Ausgangsgestein des Bodens zu erkennen, der hier sehr flachgründi¬g ist und nur wenig Wasser speichern kann. Es handelt sich um Muschelkalk, ein Meeressediment, das vor 200 Millionen Jahren auf dem Boden des seinerzeit hier existierenden Tethysmeers abgelagert wurde. Die Wuchsorte des Bärlauchs zeigen uns die tätigsten Bodenbereiche an, an denen der Streuabbau so rasch erfolgt, daß vom Vorjahr kaum noch in Zersetzung befindliche Blätter auf dem Boden zu finden sind (Humusform: Mull). Allenthalben erkennen wir Spuren der forstlichen Nutzung, die daran erinnern, daß Buchenwälder wie dieser neben ihrer Schutz- und Erholungsfunktion auch eine Nutzfunktion haben, indem sie auf unvergleichlich umweltfreundliche Art den Rohstoff Holz produzieren. Das zerstreutporige, schwere und harte Holz der Buche findet Verwendung im Möbelbau, als Parkett, in der Spanplatten- und Zellstoffherstellung, als Sperrholzfurnier usw.

Wer führt?
Privatdozent Dr. Wilfried Hakes
Diplom-Forstwirt., Dr. rer. nat., Lehrbefugnis für das Fach Vegetationsökologie am Fachbereich Naturwissenschaften der UniKassel und Lehrbeauftragter seit 1998
Mitautor eines Lehrbuchs sowie zahlreicher anderer Veröffentlichungen zur Vegetations- und Landschaftsökologie
20 Jahre Forschung in den Buchenwäldern, Wiesen und Weiden des Habichts- waldes und in den nordhessischen Magerrasen und Heiden

Info: www.ecocline.de