kasselerleben.de

 

Naturschutzgebiet Dönche

Naturschutzgebiet in der Stadt mit Multi-Tasking-Eigenschaften

Dönche-01Die Wanderung stellt die reich strukturierte Landschaft der Dönche mit ihrer einzigartigen Nutzungsgeschichte und ihrer hohen Biodiversität vor. Feuchte Taleinschnitte des Dönchebachs und Krebsbachs, quellige Bereiche an den Hängen, aber auch Trockenstandorte sorgen in der Dönche für eine Vielfalt von Umweltbedingungen. Diese haben dazu geführt, daß sich etwa fünfzig verschiedene Pflanzengesellschaften entwickeln konnten, die sich aus etwa 400 Pflanzenarten zusammensetzen. Dönche-02Auch zahlreiche Tierarten, insbesondere Vögel und Amphibien, finden hier einen Lebensraum (z.B. Nachtigall und Neuntöter, Laubfrosch). Die naturgegebene Vielfalt der Umweltbedingungen wurde zusätzlich erhöht durch die frühere Nutzung als Truppenübungsplatz (zwischen 1936 und 1970) und bedauerlicherweise auch durch Bombeneinschläge zum Ende des 2. Weltkriegs, wovon noch heute zahlreiche, teilweise wassergefüllte Bombentrichter zeugen. Die Tümpel in diesen Bombentrichtern sind inzwischen unschätzbar wertvolle Biotope u. a. für Amphibien. Seit Beginn der achtziger Jahre steht das Gebiet unter Landschafts- bzw. Naturschutz.

Dönche-03Die besondere Nutzungsgeschichte hat verhindert, daß das auf tiefgründigen Böden stockende Grünland der Dönche wie sonst überall zu Acker umgebrochen oder mit dem Aufkommen des Kunstdüngers nach dem Krieg intensiv gedüngt wurde. Dies ist in unserer ansonsten durchgängig völlig überdüngten Kulturlandschaft eine große Seltenheit. Die an vielen Punkten der Wanderung möglichen Überblicke über die Dönchelandschaft machen allerdings auch deutlich, daß diese Relikt-Grünländer von Verbuschung und Wiederbewaldung bedroht sind. Durch Schafbeweidung nach einem von den Naturschutzbehörden entwickelten Pflegekonzept versucht man, die Flächen von einer Besiedlung durch Gehölze frei zu halten. Vermutlich bedingt durch häufige Störungen sind in den letzten Jahren die Bestände bodenbrütender Vogelarten (z.B. Feldlerche, Wiesenpieper) deutlich zurückgegangen. Diese Störungen gehen vor allem von verbotenerweise freilaufenden Hunden aus, denen auch leider immer wieder zahlreiche Schafe zum Opfer fallen. Nutzungskonflikte zwischen Naturschutz, Freizeitnutzung und Naherholung, wie sie typisch sind für ein Naturschutzgebiet in der Großstadt, an das viele Ansprüche gestellt werden.

Wer führt?
Privatdozent Dr. Wilfried Hakes
Diplom-Forstwirt., Dr. rer. nat., Lehrbefugnis für das Fach Vegetationsökologie am Fachbereich Naturwissenschaften der UniKassel und Lehrbeauftragter seit 1998
Mitautor eines Lehrbuchs sowie zahlreicher anderer Veröffentlichungen zur Vegetations- und Landschaftsökologie
20 Jahre Forschung in den Buchenwäldern, Wiesen und Weiden des Habichts- waldes und in den nordhessischen Magerrasen und Heiden

Info: www.ecocline.de